Girl’s Day bei becker druck

GirlsDay2009Einmal im Jahr gibt es den Girl’s Day, der Mädchen die Gelegenheit gibt, technische Berufe kennen zu lernen. Dieses Jahr haben wir uns über den Besuch von Anna-Lena Thöne gefreut. Sie verbrachte den Tag in unserer Weiterverarbeitung, wo ihr Vater, Ralf Thöne, als Buchbinder arbeitet. Sogar die Westfalenpost berichtete über den Tag. Hier der Artikel vom 24. April 2009 des WP-Journalisten Tobias Patzkowskiy:

Arnsberg. Wuchtige Maschinen übertönen in der Halle von Becker-Druck an der Grafenstraße fast jedes Wort. Papier rauscht über die Bänder, wird automatisch geknickt, gefaltet und womöglich getackert. Gestandene Männer tragen Geräuschdämpfer auf den Ohren. Metall, wo das Auge hinsieht.Kein Arbeitsplatz für schwache Nerven. Dafür keiner für Frauen?

Anna-Lena Thöne meint: „Nein!” Einen Tag lang blickt sie hinter die Kulissen des Berufs des Buchbinders. Dort, wo man reine Ästhetik – sanfte Blätter geklebt in eine Lederhülle, bemalt mit einem Goldrand – vermutet, erlebt die 13-Jährige das pure Handwerk. Der Girl’s Day soll Mädchen in Berufe bringen, in denen sie weiterhin unterrepräsentiert sind.

„Ich wusste schon vorher, was mich hier ungefähr erwartet”, sagt Anna-Lena. Über ihren Vater Ralf ist sie auf die Idee zur Buchbinderei gekommen. Ralf Thöne hat selbst bei Becker gelernt, ist seit langem Buchbinder. Oftmals habe Anna-Lena nach der Schule in der Druckerei auf ihren Vater gewartet. „Da fand ich das schon immer interessant und meistens machen solche Arbeiten ja auch eher Männer”, erzählt die Realschülerin.

Anna-Lenas Tag beginnt um 7 Uhr morgens. „Mit meinem Vater stand ich hier sofort an der Maschine.” Bis 15 Uhr durchläuft sie alle Stationen des Buchbinders – vom Sammelheften, wo die losen Blätter aneinander gehaftet werden, über die Perforation bis zum Falzen. Alleine die Begriffe zeigen: Was sich mancher unter Buchbinder vorstellen mag, hält die Realität nicht durch.

Besonders in den vergangenen 30 Jahren hat sich das Berufsbild mit Einführung der Maschinen geändert. Von filigranen Einzelanfertigungen weit und breit keine Spur. Flyer, Werbeprospekte, Kataloge fliegen bei Becker-Druck über die Bänder. „Die Arbeit des Buchbinders ist mit Sicherheit nichts für kreative Köpfe”, so Christine Becker, geschäftsführende Gesellschafterin. (Anmerkung C. Becker: Dieses Zitat ist etwas irreführend. Denn Kreativität war hier rein im gestalterischen Sinne gemeint. Kreativität in Hinblick auf Problemlösungen ist sehr wohl gefragt, und auch eine wichtige Eigenschaft aller unserer Mitarbeiter!)

Und trotzdem: In der Ausbildung lernten die Auszubildenden weiterhin das urtümliche Handwerk des Buchbinders. „Das was man eben früher mit der Hand gemacht hat, übernimmt heute die Maschine”, so Becker, „da muss man schon verstehen, was vor sich geht.” Anna-Lena hat die ersten Einblicke erhalten. Andere wissen nicht, welch Technisierung heute hinter dem Beruf steckt – ein Ausbildungsplatz ist weiter frei.

Dass Anna-Lena sich mal darauf bewerben wird, ist eher unwahrscheinlich. „Ich würde lieber einen Büro-Job machen.” Im Vergleich zur Schule sei der Tag schon anstrengend gewesen. „Ich bin froh, dass ich morgen wieder darin lesen kann, was ich heute gemacht habe.”

 

Bild: Anna-Lena mit ihrem Vater Ralf Thöne in unserer Buchbinderei.